Ehrenamtlich im Hospiz

Möchten Sie Gutes tun? Anderen Menschen, aber auch sich selbst? Soll das Thema Endlichkeit in Ihrem Leben einen Platz bekommen und möchten Sie Gleichgesinnte treffen, mit denen Sie sich auch über existenzielle Fragen austauschen können? Möchten Sie in Ihrer Freizeit etwas Sinnstiftendes tun und der Gesellschaft etwas „zurückgeben“?

Im Hospiz gibt es verschiedene Möglichkeiten für Interessierte, sich ehrenamtlich einzubringen, regelmäßig und/oder zu besonderen Gelegenheiten:

Möglichkeiten für das Ehrenamt:

  • In der Begleitung der Gäste im stationären Hospiz, ihrer An- und Zugehörigen und von Trauernden
  • In der Küche, z. B. durch Abendbrotdienste
  • Am Empfang, z. B. an den Wochenenden
  • Bei den Hühnern und im naturnahen Garten
  • Bei Kaffeerunden, Bastelnachmittagen und kleinen Hauskonzerten
  • Zu besonderen Gelegenheiten wie dem Tag der Offenen Tür
  • In der Bildungsarbeit, z. B. durch die Mitgestaltung von Angeboten oder in der Raumvorbereitung und Teilnehmerbetreuung bei Veranstaltungen
  • In der Öffentlichkeitsarbeit, z. B. durch Mitwirkung an Infoständen oder das Verteilen von Flyern
  • In der Spendenakquise

Egal in welchem Bereich Sie sich einbringen können und wollen: All diese Tätigkeiten sind gleichwertig und gleich wichtig für das Funktionieren eines Hospizes.

Was ist das Besondere an der ehrenamtlichen Hospizarbeit?

Hospizarbeit, ehrenamtliche wie auch die hauptberufliche, fordert den ganzen authentischen Menschen. Sie schafft intensive Nähe zu den Hospizgästen und ihren Zugehörigen, aber auch zum eigenen Sein. Es ist sinnstiftend und erfüllend, am Schicksal von Menschen in ihrer letzten Lebensphase Anteil zu nehmen und zu spüren, wie gut diese Solidarität den Betroffenen tut.

Das Ehrenamt Hospiz wird aus Haltung und Achtsamkeit gespeist. Die vielbeschworene hospizliche Haltung zielt vor allem darauf ab, offen und wertfrei in Begegnungen zu gehen, andersartige Lebensentwürfe und individuelle Entscheidungen im Angesicht das nahenden Todes nicht nur zu respektieren, sondern auch wertzuschätzen. Jeder Mensch hat ein Recht auf sein ganz individuelles, selbstbestimmtes Sterben – dies zu würdigen und zu unterstützen, ist das Herzstück der Hospizarbeit. Sie gibt den Sterbenden Sicherheit und Trost, sie lässt ihnen ihre Würde bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus.

„Ich weiß nicht, ob ich durch mein Ehrenamt weniger Angst vor dem Sterben habe. Auf jeden Fall aber habe ich weniger Angst vor dem Leben.“

Vorbereitung auf das Ehrenamt

Selbstwahrnehmungsübungen und Biografiearbeit haben einen wesentlichen Anteil an der Schulung für das Ehrenamt im Hospiz. Sind wir uns unserer eigenen Gefühle bewusst und spüren wir die ihnen entsprechenden Signale unseres Körpers, dann können wir eigene und fremde Grenzen und Bedürfnisse unterscheiden und Wünsche angemessen beantworten. Auch werden wesentliche biografische Ereignisse, welche die Themen Krankheit, Abschied, Trauer und Tod berühren, durch Selbsterfahrungsübungen wieder erfahrbar gemacht und besprochen. Unser Einfühlungsvermögen und unser Mitgefühl werden gestärkt, wenn wir uns erinnern: Wie habe ich mich damals gefühlt? Was habe ich mir gewünscht? Was hat mir geholfen und was hat mich zusätzlich belastet? Dabei ist der behutsame Austausch in der Gruppe und das Gespräch mit den erfahrenen Hospizkoordinator*innen eine große Unterstützung.

Kompetenzen wie Gesprächsführung, das Aneignen von grundlegendem Wissen über Krankheits- und Trauerverarbeitung und die Vermittlung einer bestimmten, nämlich hospizlichen Haltung können in schwierigen Situationen von großem Nutzen sein. Ein Zuviel an „Ausbildung“ möchten wir aber vermeiden. Die Mitmenschlichkeit in der hospizlichen Sterbebegleitung soll nicht durch einen Expertenstatus der Ehrenamtlichen verloren gehen. Begleitung erfolgt immer auf Augenhöhe und hat mehr mit Mitgefühl und Akzeptanz zu tun als mit Wissen und Rat.

Der „kleine Urlaub vom Ego“, wenn Ehrenamtliche ein bisschen ihrer Lebenszeit in den Dienst anderer stellen, macht erfahrbar, was wirklich wichtig ist. Der Zusammenhalt im Team sowie die kontinuierliche Unterstützung durch die Hospizkoordinatorinnen, die Supervision und Fortbildungen anbieten, wirken stärkend. In einer offenen und vertrauensvollen Teamatmosphäre entstehen oft Freundschaften, die das soziale Netz ergänzen.

Wie komme ich zum Ehrenamt?

Wesentlicher Inhalt der rund 110stündigen Schulung ist eine Auseinandersetzung mit der Lebenswirklichkeit von lebensbegrenzend erkrankten Menschen und ihren An- und Zugehörigen. Weitere Schwerpunkte: Biografiearbeit, Kommunikation, Kraftquellen und Selbstreflexion. In einem Praktikum erleben sich die künftigen Hospizler*innen erstmals im Kontakt mit hilfsbedürftigen Menschen und reflektieren ihre Erlebnisse in einer engmaschigen Supervision. So werden sie gründlich auf ihre Aufgabe vorbereitet und vor Überforderung geschützt.

Voraussetzungen für das Ehrenamt:

  • Emotionale Stabilität und Ressourcen (keine akuten Verluste)
  • stabile Lebensumstände (keine Pflegebedürftigkeit eines nahen Familienmitgliedes, Umzug, Arbeitsplatzwechsel…)
  • Toleranz gegenüber anderen religiösen und moralischen Werten
  • Bereitschaft zur Selbstreflexion und Dokumentation
  • Bereitschaft zur Teilnahme an Schulung, Supervision und Fortbildung
  • der Wunsch, ehrenamtlich tätig zu werden
  • kein anderes Ehrenamt im mitmenschlichen Bereich, das gleichzeitig ausgeübt werden soll
  • Bereitschaft, bei Festen oder in der Öffentlichkeitsarbeit mitzuwirken (Flyer verteilen, Kuchen backen…)
  • Bereitschaft, das Erlebte vertraulich zu behandeln
  • sowie die Bereitschaft, sich auf eine mindestens einjährige Mitarbeit einzulassen
  • zeitliche Kapazität von mindestens drei Stunden plus Anfahrtszeit

„Mein Ehrenamt im Hospiz: Ist es an diesem Ort mit diesen Personen zum jetzigen Lebenszeitpunkt stimmig für mich?“

Infoveranstaltung
Der erste Infoabend im Oktober 2021.

Ehrenamt im Hospiz am Deich – Qualifizierungskurs

Ehrenamtsbewerber*innen bieten wir voraussichtlich jedes Frühjahr einen ca. 100 Stunden umfassenden Qualifizierungskurs an, der jeweils am Dienstagabend sowie an drei Wochenenden stattfinden wird.
Der erste Kurs für das Hospiz am Deich ist von März bis Juni 2022 geplant.