Vierbeinige Hospizbegleiter: Romeo und Osho

Der neunjährige Windhund Osho und sein Mensch Ben gehören zu den neuen Kolleg*innen im Hamburger Hospiz am Deich. Ben arbeitet in der Hospizpflege und Osho ist ein erfahrener und unglaublich charmanter Begleithund.

Der gestromte Mops Romeo ist acht Jahre alt und lebt ebenso lange mit seiner Menschin Julia zusammen. Auch die beiden sind ein bestens eingespieltes Team. Julia hat bisher bei einem ambulanten Pflegedienst gearbeitet und Romeo hat sie schon oft zu ihren Patienten begleitet. Seit dem 1. Dezember ist sie für das Hospiz am Deich tätig.

Wir haben die vier zu ihrer Tätigkeit befragt.

Ben, wie kommt ein Hund dazu, im Hospiz zu arbeiten bzw. seinen Menschen dort zur Arbeit zu begleiten?

Ben: Osho geht seit seiner zwölften Lebenswoche mit mir ins Hospiz, er konnte sich also schon als Welpe an die besondere Stimmung dort gewöhnen. Wir haben zusammen in drei Hamburger Hospizen gearbeitet, in allen gab es auch andere Hunde. Osho hatte also immer genug soziale Interaktion, mit Menschen und mit Hunden.

Klappt das mit jedem Hund oder müssen das ganz besondere Vertreter ihrer Art sein?

Ben: Ich habe mir vorher gut überlegt, welche Hunderasse sich wohl gut als Begleithund für ein Hospiz eignet. Der richtige Hund ist nicht zu groß, aber auch nicht zu klein – er soll nicht einschüchternd wirken, aber auch nicht zu fragil. Viele Rassen kommen nicht in Frage, weil sie zu viel Fell verlieren oder dazu neigen, stark zu riechen. So ein Windhund hat kurzes, glattes Fell und riecht auch bei Regen nicht. Er ist groß, aber nicht schwer. Auch die Farbe kann eine Rolle spielen, vor dunklen Hunden fürchten sich manche Menschen. Ganz wichtig ist natürlich auch ein ausgeglichenes Temperament.

Julia, wie funktioniert das, wenn Romeo zu deinen ambulanten Patienten mitkommt?

Julia: Ich frage natürlich vorher, ob Hundebesuch erwünscht ist und ob es passt. Wenn das der Fall ist, dann fahre ich mit meinem eigenen Auto, weil das Auto des Pflegedienstes ohne Hundespuren bleiben soll. Ansonsten ist es sehr unkompliziert, Romeo ist freundlich und aufgeschlossen und kennt keine Schüchternheit in einer neuen Umgebung. Er lässt sich gerne streicheln, ist aber auch ganz zufrieden, wenn er mit seiner Unterlage auf einem Stuhl sitzen und mir bei der Arbeit zusehen kann. Er sitzt nämlich gerne erhöht, dann hat er einen besseren Überblick. Auf dem nackten Fußboden hingegen liegt er nicht so gerne.

Und die Patienten freuen sich über einen so freundlichen, verschmusten Hund?

Julia: Ja, unbedingt. Ich sage ihm: „Sag mal Hallo!“, und dann geht er hin, interessiert, aber nicht aufdringlich. Meistens wird er dann gestreichelt und ermutigt, noch näher zu kommen. Ihm gefällt das, er hat keine Berührungsängste. Schließlich hatte ich ihn schon als Welpen gelegentlich bei der Arbeit dabei, sodass viele verschiedene Menschen, auch wenn sie nicht gesund sind, für ihn ganz normal sind. Er ist auch als Welpe schon manchmal auf einem Rollator mitgefahren.

In einem stationären Hospiz war Romeo aber noch nicht?

Julia: Nein, das wird neu für ihn sein, aber ich denke, er wird sich sehr schnell eingewöhnen. Dass im Hospiz die Menschen alle ein bisschen weniger eilig unterwegs sind, wird ihm sehr gefallen. Vielleicht muss er noch lernen – eventuell auch mithilfe einer Hundetrainerin – dass er nicht jedes Mal zu kläffen braucht, wenn es an der Tür klingelt. Er freut sich nämlich immer über Besuch und das zeigt er auch.

Ben, wie bringst du Osho mit den Hospizgästen zusammen?

Osho sucht sich seine Gäste selbst aus. Windhunde nehmen sich gewöhnlich viel Zeit zum Kennenlernen, es dauert oft ein bisschen, bis sie sich anfassen lassen – und das geschieht natürlich nur, wenn sie spüren, dass der Mensch, der da im Bett liegt, dazu auch bereit ist. Oft nehme ich ihn zum Kennenlernen mit ins Zimmer, wenn ich ganz normale pflegerische Handlungen durchführe, und Osho liegt dann vielleicht auf einem Stuhl neben dem Bett und schläft. So stellt sich oft eine Vertrautheit ein, auf der wir dann aufbauen können.

Und wenn er die Gäste besser kennt, besucht er sie von sich aus?

Nein, Osho geht nicht alleine in ein Gastzimmer. Ohne mich lässt er sich auch nicht anlocken – ich möchte das nicht, schließlich habe ich ja die Verantwortung für ihn und für seine Interaktionen mit den Gästen.

Sind dabei auch Leckerlis im Spiel?

Natürlich habe ich Leckerlis für Osho, die bekommt er ab und zu von mir oder von den Gästen, doch das ist nicht als „Bestechung“ gedacht, z. B. durch auf dem Bett platzierte Leckerlis. Osho ist nicht dazu dressiert, irgendwelche Aktionen durchzuführen, er geht freiwillig und gerne in Kontakt mit den Gästen, wenn es von diesen gewünscht wird… und ich es ihm erlaube.

Julia, muss Romeo für seinen neuen Job im Hospiz noch etwas lernen?

Vielleicht, dass er nicht in die Küche laufen darf, auch wenn von da leckere Düfte kommen. Gutes Essen interessiert ihn durchaus. Auch muss ich wohl aufpassen, dass er sich nicht ständig mit Leckerlis oder anderen Köstlichkeiten füttern lässt…

Und dann kommt er jeden Tag mit ins Hospiz?

Julia: Fast jeden Tag. Einen Tag in der Woche geht Romeo in eine Hundetagesstätte in Bergedorf, wo er viele andere Hunde trifft und einen schönen langen Spaziergang in der Natur macht. Da soll er auch weiterhin hingehen, daran ist er ja gewöhnt. Aber sonst soll er mitkommen – ich finde, nach acht Jahren haben wir das beide verdient, den ganzen Tag miteinander zu verbringen.

Ben, wie wirkt Osho auf die Menschen, denen er im Hospiz begegnet?

Ach, die meisten Menschen dort lächeln schon, wenn er nur vorbeikommt. Und die Gäste, die er in ihren Zimmern, vielleicht sogar in ihrem Bett, besucht, die lächeln auch. Sie genießen seine Gesellschaft, seine Nähe. Manchmal, bei bestimmten Symptomen und körperlichen Schwächen, können die Gäste menschliche Nähe, auch die von Menschen, die ihnen nahe sind, nicht mehr so gut zulassen. Mit einem entspannten Begleithund sind sie aber gerne auch körperlich im Kontakt.

Julia, du und Romeo, ihr seid ein wunderbares Team, das sehe ich sofort – genau, wie ich es mir vorgestellt habe, als ich von „Romeo & Julia“ gehört habe.

Julia: Ja, unbedingt. Tatsächlich gab es die Idee für den Namen schon, bevor ich den Hund hatte. Aber ich finde, er passt auch sehr gut. Und als Romeo & Julia kommen wir fast überall hin, z. B. auch in einem Sommerurlaub nach Verona. Ich fand, das sollten wir uns mal anschauen. Und es war klasse, Romeo in seiner kleinen Kühlweste im Fahrradkorb und Julia fröhlich am Strampeln durch die historische Stadt.

Ben, ist die ständige Interaktion mit Unbekannten nicht auch anstrengend für Osho?

Ben: Er braucht seine Ruhephasen, natürlich. Schließlich ist er auch schon neun Jahre alt. Dann lässt er sich von mir auf seinem Ruheplatz ablegen und macht ein Nickerchen oder zwei. Er ist da sehr entspannt.

Beeinflusst so ein erfahrener Begleithund auch die Stimmung im Hospiz insgesamt?

Ben: Unbedingt. Osho hat sich gefunden – das heißt, auch jüngere und unerfahrene Hunde, die mit ihren Menschen zur Arbeit kommen, können viel von ihm lernen. Und wir Menschen auch… Er ist manchmal, wenn es notwendig ist, auch ein Trostspender für das gesamte Team. Früher gingen die Kolleg*innen zum Rauchen raus, heute fragen sie, ob sie mal mit dem Hund vor die Tür dürfen!

Vielen Dank, Osho&Ben und Romeo&Julia, für das Gespräch!