Die alte Schule Allermöhe-Oberwärts

Elke Huster-Nowack, 1. Vorsitzende des Hamburger Hospiz e. V., ist seit Monaten auf der Suche nach Zeitzeugen, die das Gebäude am Allermöher Deich 445 noch als Schule erlebt haben. Von der Tochter des letzten amtierenden Schulleiters Herrn Tagge erhielt sie die folgenden Informationen und Fotos aus dem Jahr 1971.

Die Schule Allermöhe-Oberwärts 1971

Vom Allermöher Deich aus sieht man den Wohntrakt des Gebäudes. Die untere Etage war für die Wohnung des Schulleiters und seine Familie vorgesehen.

Links vor dem Auto befand sich die Treppe zur Eingangstür der Wohnung des Schulleiters. Oben wohnte zunächst eine zweite Lehrkraft ebenfalls mit Familie.

1971 war das letzte Jahr, in dem das Gebäude als Schule genutzt wurde, danach wurden die Schülerinnen und Schüler auf die neue Schule Mittlerer Landweg umgeschult.

Im Obergeschoss gab es Platz für eine Lehrkraft mit Familie

Auf der anderen Seite des Hauses befand sich der Hintereingang, der als Eingang für die Lehrerwohnung im Obergeschoss diente.

Die Lehrerfamilie nutzte den über dem Klassentrakt gelegenen Dachboden zum Wäschetrocknen. Zeitweise war er aber auch ein „Tierasyl“: Die Tochter einer Lehrerin wurde später Tierärztin und hatte als junges Mädchen schon den Dachboden als Auffanglager für alle möglichen Tiere genutzt, die sie aufpäppelte.

Vorderansicht des Wohngebäudes im Jahr 1971

Im Erdgeschoss lebte der Schulleiter mit seiner Familie und im Obergeschoss eine Lehrkraft mit Familie.

Es gab kein Lehrerzimmer, die Lehrkräfte, die gerade keine Hofaufsicht hatten, verbrachten die großen Pausen in ihren Klassenzimmern bzw. ihren Wohnungen, sofern die sich im Haus befanden. Gelegentlich kam die ein oder andere nicht im Haus ansässige Lehrkraft auch zur Ehefrau des Schulleiters in die Wohnküche, um sich aufzuwärmen und etwas Abstand zum Schulbetrieb zu gewinnen.

Eingangsbereich und Schulhof

Hinteransicht des nachträglich angebauten Toilettentraktes mit dem „Haupteingang der Schule“. Durch diesen erreichten die Schülerinnen und Schüler ihre Klassenräume.

Der Schulhof auf der Rückseite des Gebäudes, der unbefestigt war, bot für die ca. 150 Schülerinnen und Schüler genügend Platz.

Bis zum Schluss gab es vier Klassen in der Schule: a) die Jahrgänge 1 und 2, b) 3 bis 5, c) 6 bis 8 und d) der neunte, also damals Abschlussjahrgang.   Diesen unterrichtete immer der Schulleiter, zuletzt Herr Tagge.

Zusätzlich zu den Schülerinnen und Schülern, die im Einzugsgebiet der Schule lebten, kamen in die Abschlussklasse auch die „Neuner“ aus Reitbrook, Allermöhe unterwärts (bei der Allermöher Kirche ganz am Ende des Straßendorfes) und noch einer vierten Nachbarschule. So kamen diese wenigstens in ihrem Abschlussjahr noch einmal in eine Klasse nur mit Gleichaltrigen.

Klassentrakt (Ostseite) und Nebengebäude

Im Klassentrakt hinter dem Wohngebäude sieht man 2 Klassenräume mit je 3 Fenstern, dann der Toilettentrakt und ein kleines Gebäude, in dem wetterempfindlichere Sportgeräte wie Bälle, Netze, Barren, Böcke etc. untergebracht werden konnten.

Unter dem Gebäude war noch ein Keller, der genutzt werden konnte, jedenfalls der Teil, der unter dem Wohnhaus lag. Unter dem Schulflur war noch eine Art Kriechkeller, der als Kohlelager diente. In den ersten Jahren gab es noch nicht die später eingebaute Gas-Zentralheizung, sondern die Klassenräume wurden mit Kohle beheizt. Dazu gab es extra einen Mann, den Heizer, der die Kohlen dort unten hervorholte, zum Ofen schleppte und dafür sorgte, dass es warm genug für die Schüler war.

Klassentrakt (Westseite) und Sportplatz

Auch hier sieht man 2 Klassenräume mit jeweils 3 Fenstern. Am nördlichen Ende ist der Eingangstrakt mit den Toiletten zu sehen und gegenüber ein kleiner „Schuppen“, der als Werkraum für die älteren Jungen diente. Die Mädchen beschäftigten sich damals stattdessen mit Handarbeiten oder Kochen.

Ebenfalls ist eine kleine Brücke zu erkennen, die zum Sportplatz führte. Dieser war ein großer Rasenplatz mit einer 100 Meter langen Laufbahn und einer Sprunggrube.

Im Winter nutzten die Kinder die Tatsache, dass der viele Herbstregen riesige Pfützen auf dem Sportplatz gebildet hatte, die dann gefroren und es möglich machten, Schlittschuh zu fahren und andere winterliche Spiele zu veranstalten. Dort traf sich auch die Dorfjugend.

Und so sahen Schule, Lehrer*innen und Schüler*innen in noch früheren Zeiten aus

Schule Allermöhe-Oberwärts, ca. 1905

Alte Schule Allermöhe-Oberwärts, ca. 1905

Schule Allermöhe-Oberwärts, ca. 1915

Alte Schule Allermöhe-Oberwärts, ca. 1915

Schule Allermöhe-Oberwärts, ca. 1915

Alte Schule Allermöhe-Oberwärts, ca. 1915

Schule Allermöhe-Oberwärts, Einschulung 1966

Einschulung 1966