Der Hamburger Hospiz e. V. geht neue Wege

Vorstand, Eigentümer und Architekt vor dem Haus

Elke Huster-Nowack (1. Vorsitzende des Hamburger Hospiz e. V.) berichtet:

„Wieviel Hospiz brauchen knapp 2 Millionen Einwohner*innen?“ Diese Frage beschäftigt die Hospizszene in Hamburg seit über 20 Jahren. Damals eröffnete das erste stationäre Hospiz in Hamburg. Zunächst schienen sich Nachfrage und Angebot zu decken. Doch mit zunehmender Enttabuisierung des Todes stieg die Nachfrage an hospizlicher Begleitung, ambulant wie stationär. Das stationäre Hamburger Hospiz im Helenenstift gibt es seit 2001, den Verein Hamburger Hospiz e.V. schon seit 31 Jahren. Jahr für Jahr nehmen wir im „Helenenstift“ 120 bis 150 Gäste stationär auf. Demgegenüber erreichen uns rund 500 Anfragen jährlich. Wie gut, dass wir Ratsuchende häufig auf eines der sieben Hospize in Hamburg hinweisen können.

Anlässlich der Unterzeichnung des Mietvertrages am 8. Juni 2021 entstand dieses Foto.
Von links nach rechts: Uwe Grund, Kai Puhlmann, Gerhard Renner, Elke Huster-Nowack, Michael Kolle und Nils Roderjan.

Anders allerdings für Bürgerinnen und Bürger aus dem Südosten Hamburgs. Wir müssen immer wieder wahrnehmen, wie schmerzlich hier ein stationäres Hospizangebot vermisst wird. „Geplantes Hospiz in Bergedorf sucht Betreiber!“ Diese unerwartete „Einladung“ erhielten wir von dem Bergedorfer Bauunternehmer Michael Kolle. Der sozial ambitionierte Eigentümer des denkmalgeschützten ehemaligen Schulgebäudes Allermöhe-Oberwärts am Allermöher Deich 445 suchte einen kompetenten Partner für seinen visionären Plan. Er wollte aus dem Ensemble der schönen alten Schule durch behutsame Sanierung ein Hospiz entstehen lassen.

Der Zeitpunkt, einen zweiten Standort zu eröffnen, erschien uns zunächst abwegig. Wir steckten noch in den letzten Zügen der arbeits- und investitionsintensiven An- und Umbauphase des Hamburger Hospizes im Helenenstift. Auch die Widrigkeiten der coronabedingten Einschränkungen für die hospizliche Versorgung machte uns noch zu schaffen.

Doch als Teil der Hospizbewegung in Hamburg sind wir dem weiterhin großen Bedarf an Sterbebegleitung verpflichtet. Zudem wussten wir, dass die Gründung der neuen Hospizeinrichtung im ländlichen Bergedorf für die Bürgerinnen und Bürger ein großer Gewinn sein würde. Auch hatten wir zu der Zeit nicht nur „schweres Gepäck an Bord“. Zwei große Erbschaften erlaubten uns mehr Handlungsfreiheit als wir angesichts der zurückliegenden Investitionen für den An- und Umbau der Altonaer Immobilie zu hoffen gewagt hatten. So prüfte der Vorstand mit der Hospizleitung in Altona alle Aspekte, die für einen weiteren Hospizstandort von Bedeutung sind, besprachen uns eingehend mit Experten und bezogen schließlich unsere Vereinsmitglieder mit ein. Schließlich erkannten wir in der Möglichkeit, einen zweiten Standort für Bergedorf und Umgebung gründen zu können, eine glückliche Fügung und Chance für eine Weiterentwicklung.

Am 8. Juni 2021 haben wir mit der Unterzeichnung des Mietvertrags für die alte Schule die vertraglichen Grundlagen dafür geschaffen. Bereits im Spätsommer 2022 soll das „Hamburger Hospiz am Deich“ medizinische, pflegerische, psychosoziale und spirituelle Begleitung in wohnlicher Atmosphäre und grüner Umgebung anbieten können. Hier entstehen rund 30 neue Arbeitsplätze, die mit menschlich besonders Engagierten besetzt werden sollen, insbesondere mit palliativen Pflegefachkräften. Das bedeutet eine große Kraftanstrengung.

Als künftiger Hospizbetreiber werden wir nun viel für die Qualifizierung entsprechender Bewerber*innen tun. Intern hat sich eine sehr engagierte Projektgruppe gebildet, die den neuen Hospizbetrieb vorbereitet. Wir sind dabei, uns mit den Einrichtungen in Bergedorf und Umgebung zu vernetzen, z.B. mit dem Ambulanten Hospizdienst, niedergelassenen ÄrztInnen, SAPV-Teams, Krankenhäusern, aber auch mit den politischen Gremien im Bezirk Bergedorf. All das erfüllt uns mit großer Freude! Auch für den neuen Hospizstandort in Bergedorf würden wir uns sehr über die finanzielle Unterstützung durch Spenderinnen und Spender für die Ausstattung der Räume freuen.